Praxistipp April

Soeben wurde ihr Name aufgerufen. Jetzt müssen Sie gleich präsentieren. Sie sind gut vorbereitet und trotzdem zittern die Knie. Ihr Magen verkrampft sich. Sie wollen nicht nach vorne und Sie wollen nicht präsentieren. Was werden die anderen sagen? Was wenn keiner zuhört? Womit fange ich an? Fragen schießen Ihnen in den Kopf, während Sie sich langsam auf den Weg nach vorne machen. Nervös zupfen Sie an ihrem Oberteil. Auf halbem Weg angekommen beginnen Sie mit einem schüchternen Hallo Ich präsentiere heute .... Die anderen im Raum atmen schwer. Das Thema ist zäh und die Präsentation noch zäher und das für alle Beteiligten. Erkennen Sie sich wieder?

Probieren Sie doch mal folgendes.

Mit langsamen aber energischen Schritten gehen Sie nach vorne. Ein Lächeln zuckt über ihr Gesicht und steckt auch den ein oder anderen Kollegen an. Sie wissen was gleich passiert, Sie wissen was Sie sagen möchten.

Sie sind vorne angekommen und warten geduldig. Niemand im Raum sagt etwas. Langsam heben die Kollegen die Köpfe. Die Aufmerksamkeit gehört Ihnen. Alle sind gespannt was Sie zu sagen haben. Sie genießen den letzten Moment der Stille und beginnen mit diesem einen Satz den Sie sich lange vorher überlegt haben. Ihre Energie reißt die anderen mit.

Nicht jeder hat extrem große Lust zu präsentieren doch eine Pause bevor sie anfangen kann Wunder bewirken. Sie sind absolut präsent im Raum und das merkt auch jeder. 

Antonius

„Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, das sind sie alle, alle ehrenwert.“

Wir schreiben den 15. März 44. vor Christus. Die sonst so lebendig Stadt Rom schweigt still. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Spannung ist förmlich greifbar. Urplötzlich erhebt sich die Stadt. Cäsar wurde umgebracht. Die Stadt versinkt sofort im Chaos und die Machtkämpfe beginnen. Marcus Antonius nutzt die Gunst der Stunde und macht aus seiner Leichenrede eine politische. Diese Rede gilt bis heute als Meisterstück und zeigt uns wie viel Leben Stilmittel in eine Rede bringen können.

Einen Monat zuvor am 15. Februar wurde Cäsar die Königskrone angeboten. Schlagfertig soll er geantwortet haben, er sei der Kaiser nicht der König. Cäsar war Höhepunkt seiner Macht angelangt. Dies wurde aber von vielen Seiten kritisch betrachtet. Insbesondere der Senat der ihn mit Ehrentitel überhäufte, fand wenig gefallen an der Alleinherrschaft Cäsars.

Schnell wurde das Komplott beschlossen und inmitten der Stadt wurde Cäsar ermordet.

Ohne den Mann an der Spitze versank die Stadt im Chaos. Doch 2 Politiker versuchten das Machtvakuum zu füllen. Auf der einen Seite der Verschwörer Brutus und auf der anderen Seite Antonius. Langjähriger Mitstreiter und Konsul Cäsars. Durch die Macht der Worte versuchten die beiden Kontrahenten das Volk auf ihre Seite zu ziehen. Brutus argumentierte mit dem Fehlverhalten Cäsars und stellte sich und seine Komplizen als Retter vor dem Diktator dar. Antonius nutzte die Leichenrede um gegen die Verschwörer zu hetzten. Die Leichenrede wurde später von Shakespeare stark verändert und dient dennoch als gutes Beispiel dafür, wie Stilmittel wirken können. Besonders die ironische Darstellung Brutus als ehrenwerten Mann hatte eine gewaltige Wirkung auf die Zuhörer.

Obama

„Zu viele Tränen wurden geweint zu viel Blut ist vergossen worden“

Fast 10 Jahre nach den Anschlägen am 11. September reist Barack Obama nach Kairo. Obama steht für Veränderung und er steht für Hoffnung, auch deshalb wird seine Rede mit Spannung erwartet. Mit seiner Rede am 04.06.2009 reicht er der muslimischen Welt die Hand in Freundschaft. Seine Worte sind dabei perfekt gewählt. Wie kaum ein Zweiter versteht es Obama, seine eigene Geschichte zu benutzen. Diese Rede ist ein Vorbild dafür, wie wertvoll der Gebrauch der Narration sein kann.

Es ist für Obama keine leichte Situation. Jahrelang stand der Islam in Amerika unter Generalverdacht. Der 11. September hat vieles verändert, allerdings nicht nur für die Amerikaner. Auch zahlreiche Muslime litten unter den Anfeindungen und Kriegen, die darauf folgten. Obama versucht die gemässigten Muslime zu erreichen, um so langfristig für Frieden zu sorgen.

Er wählt seine eigene Geschichte und beweist so wie Nahe der Islam und Amerika sich sind. Er selbst kennt den Islam aus seiner Zeit in Indonesien, sein Vater kommt aus einer Familie mit mehrheitlich muslimischem Hintergrund, auch sein Zweitname Hussein wird bewusst in Szene gesetzt, um zu verdeutlichen wie nahe er dem Islam steht.

Er geht nicht so weit, wie viele Jahre vorher Kennedy, der sich mit seinem Ausruf:„Ich bin ein Berliner“ als Teil der deutschen Gesellschaft präsentiert hat, aber er lässt die muslimische Welt wissen, wie gut er sie kennt. Damit sorgt er für viele Sympathien, insbesondere bei den gemäßigten Muslimen. Obama weiß die Macht der Rede einzusetzen und wir können daraus lernen, wie wertvoll es sein kann einen persönlichen Bezug zu schaffen.

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„Key-Message“ Business – Präsentationen mit Struktur.

Die Key-Message ist die Schlüsselbotschaft, die nach ihrem Vortrag hängen bleiben soll. In dem Buch von Wolfgang Hackenberg, Carsten Leminsky und Eibo Schulz-Wolfram wird thematisiert, wie man eine Präsentation klar und strukturiert gliedert. Damit soll gewährleistet werden, dass alles, was Sie sagen möchten, auch richtig bei Ihren Zuhörern ankommt.

Das Buch hat dabei nicht nur die Struktur zum Thema, sondern zeichnet sich insbesondere durch selbige aus. Die Autoren leben durch ihr Buch vor, wie hilfreich eine klare Struktur sein kann - sowohl während einer Präsentation wie auch innerhalb eines Buches. „Key-Message“ dient damit als Checkliste, mit der man Seite für Seite seine eigene Präsentation parallel aufbauen kann. Neben der klaren Struktur machen vor allem die einfache Sprache und die vielen lebensnahen Beispiele das Werk zu einem sympathischen Begleiter auf dem Weg zu einem gelungen Vortrag.    

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Organisationen klug gestalten

In dem im Januar erschienenen und von Heiko Roehl und Herbert Asselmeyer herausgegebenen Buch "Organisationen klug gestalten" führe ich aus, wie Unternehmenstheater einen großen Beitrag zur Gestaltung von Veränderungen in Unternehmen liefern kann.

In meinem Artikel beschreibe ich dabei anhand des Konzepts der Heldenreise, welche Grundmuster sich in Veränderungsprozessen finden, die dem klassischen Erzählkonzept der Heldenreise folgen.

Aufbauend auf diesem Muster ist der Bogen zum Unternehmenstheater schnell gespannt. Denn mittels der verschiedenen Formen wie Inszenierung oder interaktiven Theater lassen sich die Changeprozesse anhand der Heldenreise sehr gut visualisieren und bearbeitbar machen. Außerdem besteht insbesondere bei den interaktiven Varianten die Möglichkeit, die Zuschauer, also die Mitarbeiter selber, zu Helden der Geschichte zu machen. Diese direkte Beteiligung unterstützt dann unmittelbar den laufenden Changeprozess in Unternehmen.

Heiko Roehl, Herbert Asselmeyer (Hrsg.), Organisationen klug gestalten, Schäffer-Poeschl, Stuttgart 2017

Kontakt:

RhetoFlu - Peter Flume, Neckartailfinger Str. 1, 72622 Nürtingen, Telefon: +49 7022 5029521, E-Mail: info@rhetoflu.com

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